Guatemalagruppe Nürnberg e.V.
 

Das Straßenkinderprojekt "Movimiento Nacional de Niños" in Guatemala-Stadt

Allgemeines

Nuestros Derechos heißt auf Deutsch "Unsere Rechte". Es ist ein Straßenkinderprojekt in Guatemala-Stadt, der Hauptstadt von Guatemala. Es firmiert auch unter dem Namen "Movimiento Nacional de Niños" - "Nationale Bewegung der Kinder".

1993 von dem Lehrer und Straßenpädagogen Carlos Toledo gegründet, bietet es Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, von der Straße in ein soziales Umfeld zurück zu kehren. Die Arbeit steht dabei auf zwei Säulen: Die Arbeit auf der Straße und die Arbeit in der Casa Hogar.

Die Arbeit auf der Straße

Carlos Toledo und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gehen auf die Straße zu den Kindern, bauen Kontakt und Vertrauen auf.

Betreuung und Beratung

Die Kinder erhalten Nahrung und Kleidung und werden wenn nötig auch medizinisch versorgt. Straßenmädchen werden über Verhütung und andere wichtige Themen aufgeklärt; Mädchen mit Babys erhalten Hilfestellung und Informationen zur Pflege.

Rechtliche Arbeit

Die Projektmitarbeiter kümmern sich um Fälle, in denen Kinder und Jugendliche missbraucht, misshandelt oder zu Unrecht verurteilt wurden. Sie besuchen Kinder und Jugendliche in Gefängnissen, geben juristischen Beistand und versuchen, ihnen nach der Entlassung Hilfe bei der Arbeitssuche und der Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu geben.

Familienarbeit

Die Mitarbeiter nehmen mit den Familien der Kinder und Jugendlichen Kontakt auf, soweit diese auffindbar sind. Sie setzen sich dafür ein, dass die Straßenkinder wieder in Beziehung zu ihren Angehörigen treten.

Casa Hogar - ein Heim für die Kinder

Manche Kinder und Jugendliche werden in das 1995 gegründete Projekthaus aufgenommen. Dort können gleichzeitig etwa 40 Kinder und Jugendliche zusammen wohnen und individuell betreut werden.

Aus eigenem Willen

Voraussetzung für die Aufnahme ist es, dass sie aus eigenem Willen die Straße verlassen, keine Drogen mehr nehmen und sich aktiv am täglichen Leben im Heim beteiligen. Normalerweise bleiben sie drei bis sechs Monate dort. In dieser Zeit sollen sie sich stabilisieren und werden von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Projektes intensiv betreut.

Verantwortung lernen

Sie übernehmen Arbeiten im Haus wie Einkaufen oder Kochen, sie putzen, waschen Wäsche oder kümmern sich um die Kleinsten. So haben sie die Gelegenheit, ihre Fähigkeiten einzubringen, ihr Leben eigenverantwortlich in die Hand zu nehmen, aber auch soziale Verpflichtungen zu übernehmen.

Individuell gefördert

Die Kinder und Jugendlichen werden entsprechend ihrer Situation und ihren Fähigkeiten gefördert: Sie erhalten Schulstipendien, Hilfe bei der Arbeitssuche, Fortbildungskurse (Computer, Friseur etc.) oder eine Ausbildung (Automechaniker, Elektriker o.ä.).

Straßenkinder in Guatemala

Vielen Familien in Guatemala fehlt Land, um es zu bebauen. Dies war eine der Ursachen für den 36-jährigen Bürgerkrieg (1960–1996). Auch heute ist das immer noch der Hauptgrund, warum Familien vom Land in die Stadt ziehen. Sie siedeln sich in den Armenvierteln der Hauptstadt an und leben von Tagelöhnerarbeit ohne Perspektive. Das führt in vielen Familien zu Armut, Alkoholproblemen und Gewalt; in der Folge brechen häufig die Familienstrukturen auseinander. Kinder und Jugendliche lockt die Freiheit der Straße, dazu kommen die Versprechungen von Jugendbanden als Ersatzfamilie. Doch hier geraten sie schnell in den Teufelskreis von Kleinkriminalität, Prostitution und Drogenabhängigkeit.

Leben auf der Straße bedeutet...

  • wehrlos gegenüber Mord, Misshandlung oder Vergewaltigung zu sein.
  • Lösungsmittel zu schnüffeln, um Kälte, Hunger oder Angst zu vergessen.
  • dort zu schlafen, wo die Straße Unterschlupf bietet: am Boden, unter Treppen oder in Hauseingängen.

Die Perspektive

Das Projekt bietet den Kindern die Möglichkeit, ...

  • die Straße zu verlassen und ihr Leben wieder verantwortungsvoll in die Hand zu nehmen.
  • den Teufelskreis von Armut, Drogen und Kriminalität zu durchbrechen.
  • die Schule zu besuchen, eine Ausbildung zu beginnen oder Arbeit zu finden.

Erste Kontakte

Unsere Zusammenarbeit mit Carlos Toledo reicht bereits weit zurück. Erste Kontakte gab es seit 1995, vor allem, da unsere Gruppe sich bereit erklärt hatte, die Spendenverwaltung in Deutschland zu übernehmen. Im Laufe der Jahre waren immer wieder Vereinsmitglieder als freiwillige Helfer im Straßenkinder- und später auch im Schulprojekt.

2005 konnten wir Carlos Toledo das erste Mal in Deutschland zu einer Rundreise begrüßen. Die Reise wurde von der US-amerikanischen Hilfsorganisation Global Rights finanziert und brachte durch zahlreiche persönliche Kontakte, öffentliche Vorträge und Besuche in Schulklassen einen Schub für die Unterstützung aus Deutschland.

Fünf Jahre später, 2010, kann Carlos Toledo erneut zu uns kommen und dieses Mal für drei Wochen im süddeutschen Raum reisen. Wichtige Stationen waren das Lise-Meitner-Gymnasium in Böblingen und die Spenderkreise im Raum München. Auch in Nürnberg, wo er den Rest seiner Zeit verbringt, ist sein Programm komplett gefüllt.