RUNDBRIEF Nr. 10, Dezember 2003 Besuch aus Guatemala ==================== Diesmal war es umgekehrt. Diesmal schrieb Daniel Pascual, dass er auf einer Rundreise in Europa sei, und fragte an, ob er nicht die Gelegenheit nutzen könne, mal bei uns in Nürnberg vorbeizuschauen. Er war noch nie hier und wir haben uns sechs lange Jahre nicht gesehen. Die Begeisterung bei uns war groß und Dank der Hilfe der Leute von FIAN (Foodfirst Information & Action Network), die die Rundreise organisiert hatten, konnten wir ihn tatsächlich Ende November in die Arme schließen. Die geneigte Leserin und der neugierige Leser fragt sich vielleicht nun, wer Daniel Pascual ist, dass wir ihm gleich die Titelseite unseres jährlichen Rundbriefes widmen. Nun, dazu müssen wir etwas in die Vergangenheit der Gruppe gehen. 1989 war die Gruppe das erste Mal in Guatemala im Hochland von Zacualpa. Dort begegneten uns Daniel und seine Mutter, die in den Bergen auf der Flucht vor den Militärs waren. Sie wurden verfolgt, weil Daniels Vater beim CUC arbeitete, also bei der Landarbeitergewerkschaft, die wir von Beginn an unterstützen. Wir trafen beide 1990 wieder, als sie sich in einem abgelegenen Tal eine kleine Behelfshütte gebaut hatten, immer bereit zur Flucht. Daniel machte im Lauf der Jahre seinen Weg. Er eignete sich an Bildung an, was ihm möglich war in den Bergen. Dann ging er in die Hauptstadt, wo die Gruppe ihm durch ein Stipendium eine Weiterbildung ermöglichte. Er übernahm Verantwortung und stieg bald in die nationale Leitung des CUC auf. Er heiratete Rosario Pu, eine andere Aktivistin des CUC, sie haben zwei Kinder, und arbeiten beide immer noch im CUC, um die Lage der landlosen Bäuerinnen und Bauern zu verbessern. Zwischenzeitlich war Daniel Sprecher im CNOC, der nationalen Vereinigung der LandarbeiterInnen- und BäuerInnenorganisationen. Ungefährlich war das nicht: Er wurde im März 2003 auf offener Straße ausgeraubt und mit dem Tode bedroht - auch nach dem Friedensschluss Ende 1996 keine Seltenheit in Guatemala. Sein Vater konnte 1997 wieder nach Zacualpa zurückkehren und lebt mit Daniels Mutter und seinen Geschwistern in der Stadt in ihrem alten Haus. Der Mutter geht es gesundheitlich nicht so gut, da die jahrelangen Entbehrungen in den Bergen an ihr gezehrt haben. Zwei Geschwister Daniels sind im Krieg gefallen. Ein außergewöhnliches Schicksal? Teilweise ja, da die ganze Familie "nur" zwei Mitglieder im Bürgerkrieg verloren hat. Ansonsten leider ein Schicksal, das Hunderttausende erlitten haben. Wir begleiteten Daniel und die ganze Familie über die Jahre hinweg. Wir trafen ihn immer wieder und nicht zuletzt sein Mut und seine Beharrlichkeit geben uns den Ansporn, nicht mit unserer Arbeit hier aufzuhören. Wir wissen, dass unsere Arbeit dort im "fernen" Guatemala gebraucht wird, dass wir immer noch etwas internationalen Schutz geben können - nicht zuletzt durch Briefe an die guatemaltekischen Autoritäten. Und wir wissen auch, dass unsere Arbeit auch Daniel Kraft gibt, in seinem Kampf für seine Mitmenschen fortzufahren. Spendenübersicht 2003 ===================== UNSITRAGUA: Da unser Spendenzufluss in den letzten Jahren immer geringer wurde, mussten wir eine Unterstützungszahlung einstellen. Es traf die UNSITRAGUA, da in den letzten Jahren der Kontakt leider immer mehr abgerissen ist. Wir lesen in den Medien immer noch von ihrer Arbeit, aber es ist problematisch, Geld zu transferieren, wenn es keine persönlichen Ansprechpartner mehr gibt. Nachdem Sergio Guzmán zu CONIC gewechselt war, war dies leider endgültig der Fall. CUC: Er erhielt seine jährliche Spende für laufende Kosten: 1.000,- EUR. Daniel betonte, dass gerade diese Kosten von keiner anderen Hilfsorganisation bezuschusst werden, da diese immer nur projektbezogen denken. Auch das Landrechtsprojekt des CUC unterstützten wir wie immer mit einer monatlichen Summe. Im Jahr 2003 übergaben wir 200 Euro monatlich, also weitere 2.400 Euro. Das Straßenkinderprojekt "Movimiento Nacional de Niños" erhielt 9.918,47 Euro, erstmalig in zwei Summen, da wir unsere Spendenauszahlung etwas umgestellt haben. Dazu aber mehr im Artikel über das Projekt im hinteren Teil des Rundbriefes. Wir müssen nochmals darauf hinweisen, dass bei Spenden, die zum Jahresende abgeschickt werden, nicht immer sichergestellt werden kann, dass die Bescheinigung für das laufende Jahr ausgestellt werden kann. Die Gesetzgebung ist in diesem Punkt leider etwas schärfer geworden: Entscheidend ist der Spendeneingang bei uns. Um genau zu sein, müssten Sie die Spende ein paar Tage vor Weihnachten abschicken, sonst kann sie durch die Banklaufzeiten evtl. zu spät bei uns eintreffen! Da die Adressen auf den Kontoauszügen nicht immer an uns übermittelt werden, wäre es gut, wenn Sie uns bei Ihrer ersten Spende Ihre Adresse und das Datum der Überweisung mitteilen würden. So können wir Sie in unser Spendenregister aufnehmen. Sollten Sie die Spendenbescheinigung nicht rechtzeitig erhalten, geben Sie uns bitte Bescheid. (Kontaktadressen auf der letzten Seite.) Unsere kleine Homepage ====================== wird (hoffentlich) Ende 2003 etwas erweitert. Die Adresse ist immer noch: www.nefkom.net/ottmar.zimmer/guatemala (alles in einer Zeile und Kleinbuchstaben bei guatemala) Die Wahlen 2003... ... sind noch nicht zu Ende =========================== Am 9. November fanden in Guatemala die Präsidentschafts-, Kongress- und BürgermeisterInnenwahlen statt. Da in den Präsidentschaftswahlen keiner der Kandidaten eine absolute Mehrheit errang, wird zwischen den beiden Erstplatzierten Oscar Berger und Alvaro Colom am 28. Dezember die Stichwahl entscheiden. Bemerkenswert und auch im politischen Sinne wichtig ist, dass der Ex-General Ríos Montt mit knapp einem Fünftel der Stimmen weit unter allen vorherigen Umfrageergebnissen lag. Der ehemalige Putschpräsident, der Anfang der achtziger Jahre für die Politik der verbrannten Erde und für die Einführung der paramilitärischen "Zivil"-patrouillen verantwortlich war, hatte vor dem Obersten Verfassungsgericht seine Kandidatur erstritten. Nun, da er nicht zum Präsidenten gewählt wurde und auch nicht mehr Abgeordneter des Parlaments ist, ist auch seine Immunität erloschen. Das heißt, dass die internationalen Gerichtsverfahren gegen ihn weiter verfolgt werden können. So sollen in Spanien die Prozesse bald wieder aufgenommen werden. Insgesamt ist die Partei von Ríos Montt aber immer noch stark: Sie haben ca. 30 % der Sitze im Parlament und ein Drittel der BürgermeisterInnenämter gewonnen. Dies auch in Gegenden, in denen viele Massaker stattgefunden haben. Ein Grund dafür könnte sein, dass dort nun auch viele Ex-Patrouilleros leben. Die zwei Kandidaten Berger und Colom vergeben sich in ihrer gesamten politischen Einstellung wenig, beide sind eher konservativ und werden von Militärs und von der Oligarchie unterstützt. Colom biederte sich nach der Wahl gleich bei den ehemaligen Zivilpatrouilleros an, die er vor der Wahl noch verdammt hatte. Diese Gruppe hatte vor allem Ríos Montt gewählt und Colom will dieses Wählerpotential auf seine Seite ziehen. Trotzdem ist der Ausgang der Stichwahl noch offen, da auch Berger viele Versprechen abgibt. Erfreulich ist die Wahlbeteiligung, die mit 58 % so hoch war wie schon lange nicht mehr. Auch der Anteil der wählenden Frauen hat zugenommen, da verschiedene soziale Organisationen speziell Frauen vor den Wahlen mit der Wahlbürokratie geholfen haben, also mit der Erlangung von Ausweispapieren und dem Eintrag in das Wahlregister. Präsidentschaftswahlen: Oscar Berger, GANA: 34 % Alvaro Colom, UNE: 26 % Ríos Montt, FRG: 19 % Parlamentswahlen (Sitze): GANA 49 FRG 44 UNE 34 PAN 15 ANN 7 UNIONISTA 5 URNG 2 UD 1 DCG 1 Gewonnene BürgermeisterInnenämter: FRG 110 GANA 69 UNE 33 PAN 31 Comités Cívicos 24 Neuer Bürgermeister der Hauptstadt Alvaro Arzú Das Straßenkinderprojekt ======================== Der Kontakt zum Projekt war im Laufe des letzten Jahres sehr gut, da nacheinander verschiedene Mitglieder der Familie Dörner aus Nürnberg dort arbeiteten. Zuerst war Jessica dort, im Anschluss ihre Mutter Edith und jetzt hält ihre Schwester Sandra die Stellung. Wobei sie je nach ihrem persönlichen Schwerpunkt nicht immer nur im Straßenkinderprojekt arbeiteten, sondern auch im zugehörigen Schulprojekt in Antigua Guatemala. Auch wenn wir bisher noch nie über das Schulprojekt berichtet haben, gehört es doch schon von Anfang an als ein anderer Aspekt des Straßenkinderproblems zur Arbeit von Carlos Toledo, dem Leiter beider Projekte. Erfahrungsgemäß landen Kinder mit Schulausbildung nicht so leicht auf der Straße, so dass dieses Projekt präventiv wirkt. Öfters sind in der Schule auch Jugendliche aus dem Straßenkinderprojekt zu Besuch. Dies hat positive Auswirkungen für beide Seiten. Die Straßenkinder, die im Projekthaus Fuß fassen, erleben hier, dass andere an ihrem Wissen Interesse haben, dass sie Wertschätzung erhalten, weil sie den Schulkindern z. B. etwas im Kunsthandwerk beibringen können. Die Schulkinder wiederum erfahren hautnah, was für Probleme Straßenkinder haben. Durch realistische Schilderungen des Lebens auf der Straße wird so die eventuell bestehende Romantik genommen. Die deutsche Botschaft hat dieses Jahr dem Projekthaus des Straßenkinderprojekts einige Möbel für die Innenausstattung geschenkt, zum Beispiel einen Herd für die Küche, ein Küchenbüffet und Stockbetten für die Schlafräume. Wie sieht die finanzielle Situation aus? Mit einem Wort: schlecht. Ein Zuschussgeber, der bisher monatliche Zahlungen für das Straßenkinderprojekt leistete, hat sich verabschiedet. Dadurch waren teilweise nicht einmal die Mahlzeiten des nächsten Tages gesichert. Wir haben versucht, das Jahr über einzuspringen. Das ging einerseits durch direkte Auszahlungen an die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen aus Nürnberg während ihres Aufenthalts in Guatemala, die die Gelder an das Projekt weiter geleitet haben. Darüber hinaus haben wir unsere Spendenverwaltung umgestellt und konnten so schon zwei größere Summen überweisen. Wir sind im Moment mit Carlos im Austausch, um die Situation wieder etwas zu stabilisieren, wobei wir nicht den kompletten Ausfall wett machen können, aber zumindest die härtesten Auswirkungen abfangen wollen. An dieser Stelle unser Dank an alle, die wegen der aktuellen Notlage unbürokratisch und unter Verzicht auf eine Spendenquittung direkt Geld an das Projekt überwiesen haben. Durch eine schnellere Verwaltung wollen wir diesen Weg in Zukunft vermeidbar machen, so dass sich auch der Staat über den Steuernachlass finanziell beteiligt. Kontakt zur Gruppe: =================== Astrid Bönning, Schlehdornweg 10, 90441 Nürnberg, 09 11 / 42 11 33, e-mail: ottmar.zimmer@web.de. Spenden bitte an: BDKJ Nürnberg-Nord, Kto. 10 512 38 36, LIGA Bank eG., BLZ 750 903 00, Stichwort "Spende Guatemala". Für unsere Arbeit sind wir immer auf Spenden angewiesen. Diese sind steuerlich abzugsfähig. Spendenbescheinigungen kommen spätestens innerhalb der ersten sechs Wochen des Folgejahres. Wenn Sie sie nicht erhalten sollten, melden Sie sich bitte baldmöglichst bei uns. Wenn Sie den Rundbrief nicht mehr erhalten wollen, schicken Sie uns bitte eine kurze Nachricht.